Fünf Monate Zuckerfrei – ein Update

1 year, 41 days ago

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Viele von euch werden sich sicherlich noch daran erinnern, wie ich vor einiger Zeit davon berichtet habe, meine Ernährung umzustellen. Nachdem ich neun Monate nach der Geburt leider immer noch sehr mit dem Gewicht zu kämpfen hatte und sich trotz viel Bewegung auf der Waage nichts getan hat, musste ich irgendwas ändern. Da ich mich eigentlich sehr gut und gesund ernährt habe, wußte ich anfangs nicht wirklich, inwiefern ich mein Essverhalten noch umstellen könnte. Schließlich standen viel Gemüse, ausreichend Wasser, Vollkornprodukte und wenig Fleisch auf meinem Speiseplan – eigentlich so, wie es sein sollte. Dennoch, so dachte ich, gab es irgendwas, das meinem Körper nicht gut tat und den Stoffwechsel hemmen musste. Denn je disziplinierter ich wurde und mich beim Essen zügelte, umso mehr stagnierte das Gewicht auf der Waage. Es war wie ein Teufelskreis: Anstatt durch eine geringere Nahrungszufuhr abzunehmen, wurde ich immer unglücklicher und frustrierter.

Schließlich gab es eigentlich nur einen einzigen Übeltäter, den ich für meine Misere ausmachen konnte, und es ist ein sehr guter Bekannter: der (verdammte) Zucker, ein Lebensmittel, das so „gut“ und günstig ist, dass es heutzutage in fast keinem Lebensmittel mehr fehlt.

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So entschloss ich mich kurzerhand, eben besagte Zutat aus meinem gesamten Speiseplan zu streichen. Eine richtige Idee, wie dies denn nun wirklich funktionieren sollte, hatte ich nicht, aber ich nahm mir vor, mich bei jedem einzelnen Produkt vorher genau zu informieren, ob denn nun Zucker (oder eine seiner beliebten Variaten wie Glucose, Saccharose oder Maltose) enthalten sei.

Glücklicherweise bin ich jemand, der gerne herzhaft frühstückt und keinerlei Appetit auf Müslis, Nussnougatcremes oder Marmeladen hat, denn sonst hätte ich dieses kleine Abenteuer wahrscheinlich nicht überstanden. Kuchen habe ich so gut wie nie und vielleicht nur alle vier Monate mal gegessen, und mit einer Tafel Schokolade kam ich eigentlich immer mehrere Wochen aus. Da wir fast jeden Tag frisch kochen und keinerlei verarbeitete Lebensmittel zum Einsatz kommen, wußte ich auch hier, dass ich mich nicht sonderlich einschränken muss. Allerdings muss ich gestehen, dass ich bestimmt fünf-, sechsmal am Tag in unsere Süßigkeiten-Schublade gegriffen und mir dort jedes Mal ein paar Gummibärchen oder Bonbons in den Mund gesteckt habe. Und eben diese lästige Angewohnheit ist es auch, die mich beim Projekt „Zuckerfrei“ am meisten in Bedrängnis gebracht hat: das Verlangen, zwischendurch und mehrmals täglich einfach mal zu naschen war unheimlich groß.

Ich muss gestehen, dass die ersten Tage wirklich nicht sehr einfach waren. Besagte Schublade wurde bestimmt 30mal am Tag geöffnet, wohlwissend, dass ich nichts daraus essen durfte. Und obwohl ich eigentlich ein fröhlicher und geselliger Mensch bin, stand es auch um meine Laune nicht besonders gut. Mir fehlte einfach die berühmte Nervennahrung, das gewisse Etwas, das ich als Ausgleich brauchte. Trotzdem wollte ich nicht einfach aufgeben und zumindest einen ganzen Monat versuchen, zuckerfrei zu leben.

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Und es wurde immer einfacher. Der Heißhunger ließ nach einer Woche nach, und ein Hungergefühl gab es nur noch, wenn ich vier, fünf Stunden nach einer Mahlzeit wieder etwas essen musste und wollte. Kleine Knabbereien wie Salzgebäck, das übrigens auch einen nicht unwesentlichen Zuckeranteil besitzt, habe ich durch Nüsse ersetzt. Kaffees und Tees habe ich nicht mit Honig (da auch dieser nur aus Zucker besteht), sondern mit dem kalorienfreien Zuckersaustauschstoff Xucker gesüßt. Zugegebermaßen hat sich mein Kaffeekonsum etwas erhöht, aber da ich sowieso nur leichten Kaffee/Espresso aus der Maschine trinke, finde ich dies nicht so schlimm.

Selbstverständlich gab es auch immer mal wieder Momente, in denen sich ein gewisser Appetit nicht leugnen ließ.
Als wir Mitte Oktober in Paris waren und mein Mann vor meiner Nase mehrere der geliebten Macarons gegessen hat, musste ich schon das ein oder andere Mal schlucken. Aber ich blieb standhaft. Auch in der Weihnachtszeit, in der einem die vielen kleinen Köstlichkeiten in Geschäften oder bei der Familie sozusagen nachgeworfen wurden. Und auch bei meinen letzten beiden Reisen nach Paris – ich wollte und durfte nicht wieder in die alten Verhaltensmuster verfallen.

Als ich mit diesem Projekt anfing, hatte ich ein wenig Bedenken, wie mein Umfeld auf meine neuen Ernährungsgewohnheiten reagieren würde. Würde man mich für verrückt erklären, wenn ich keine Säfte, sondern nur noch Wasser trinken und auch keine Desserts mehr essen würde? Aber nein, mein Freundes- und Bekanntenkreis hat sehr gut reagiert und mich sogar ermutigt, immer weiterzumachen. Einzig und allein die Familie hat sich mehrfach kritisch geäußert, wenn ich nachmittags am Tisch saß und nur den Kaffee zum Kuchen getrunken habe: Man müsse sich doch auch mal etwas gönnen, das Leben bestehe nicht nur aus Verzicht, der Körper brauche Zucker zum Leben, und es ginge doch auch viel Lebensqualität verloren. Aber so sehe ich es nicht, denn ich weiß nun, dass mein Körper auch ohne den ganzen zugesetzten Zucker sehr gut leben kann. Außerdem habe ich nicht das Gefühl, als ob ich mich sonderlich einschränken muss, den mein ohnehin schon sehr gesunder Lebensstil korreliert ganz gut mit den neuen Ernährungsgewohnheiten.

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Und wie fühlt sich das zuckerfreie Leben nun nach fünf Monaten an? In erster Linie habe ich, obwohl ich die Anzahl meiner Mahlzeiten erhöht habe und nun deutlich mehr esse, endlich abgenommen. Ich muss nicht mehr hungern, wie es seit der Teenagerzeit so oft der Fall war, und esse drei ausgewogene, große Mahlzeiten pro Tag.
Meine Haut hat sich deutlich verbessert, denn kleine Hautunreinheiten bleiben nun auch ebensolche und entzünden sich nicht so schnell. Tatsächlich fühle ich mich fitter und habe mehr Energie, und die berühmte Tagesmüdigkeit um die Nachmittagsstunden ist glücklicherweise auch komplett verflogen. Genauso haben sich meine Geschmacksknospen erholt – wenn ich unwissenderweise, z. B. im Restaurant, doch ein Gericht erwische, in dem Zucker ist, kann ich dies sofort rausschmecken.
Einen Beweis dafür habe ich natürlich nicht, aber ich habe das Gefühl, als ob mein Körper nun auch Erkältungen gegenüber widerstandsfähiger geworden – zumindest werde ich nicht mehr so oft und schnell krank wie in der Vergangenheit.

Nach ca. zwei Monaten habe ich mich entschieden, einen Tag am Wochenende zu sündigen und ein wenig Schokolade, einen Muffin oder worauf ich sonst so Appetit habe, zu essen. Dies finde ich überhaupt nicht schlimm, denn ich weiß nun für mich, dass es diesen einen Tag in der Woche gibt an dem ich ohne Zwang und schlechtes Gewissen ganz bewußt etwas Süßes essen darf. Und da ich dieses enorme Bedürfnis nach Zucker einfach nicht mehr empfinde, kommt es sogar sehr oft vor, dass ich besagten Ausnahmetag sogar vergesse.

Was vergangenen September wie eine Art Experiment für mich begann, hat sich in den letzten Monaten immer mehr zu einer Lebenseinstellung entwickelt, die ich nicht mehr missen möchte. Ich habe das Gefühl, mit meiner Ernährung etwas Gutes für mich und meinen Körper zu tun und möchte die zuckerfreie Ernährung nun solange wie möglich fortführen. Es gibt so viele gute und gesunde Alternativen zu all den industriell hergestellten und mit Zucker angereicherten Lebensmitteln. Und auch wenn es auf den ersten Blick nicht leicht erscheint, ist die Investition in gutes Essen auch eine Investition in mich und mein Wohlgefühl.